Eigenproduktionen/Projekte

Tür auf, Tür zu - Eine knallende Satire von Ingrid Lausund

PREMIERE: 04. Dezember 2014, 20 Uhr (weitere Termine bis Februar 2015)

Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere. Sagt man. Aber was, wenn es nur die eine Tür gibt? Und die bleibt verschlossen? Steht man da. Draußen. Man spricht mit der Tür, diskutiert, überlegt, sucht Erklärungen, ärgert sich, verzweifelt, fleht, bettelt, flippt aus. Aber es bringt nichts: Die Tür bleibt zu.

Anneliz ist eine Frau in den besten Jahren, erfolgreich, fit, selbstbewusst. Sie ist gewohnt, dass sich die Türen vor ihr auftun. Aus heiterem Himmel verwehrt ihr der Respekt einflößende Mayer, in diesem Stück als "Tür" Objekt und Türsteher in einem, den Eintritt. Mit ihm tritt Anneliz ein in einen Kampf ums gesellschaftliche Überleben. Gehört sie noch dazu? Kommt sie jemals wieder hinein?

Gustav ist der dritte im Bunde. Ein lakonischer Komiker - und eine Sparmaßnahme. Er wurde als "Chor"-Ersatz auf 450-Euro-Basis für den Abend engagiert und ist für sämtliche andere Rollen zuständig. Er spiegelt Anneliz die reale Society, die von wichtig-wichtig über tierisch gut gelaunt bis restlos überarbeitet alles zu bieten hat und die doch meistens einen Weg durch die Tür findet, bis... Naja, bis diese eines Tages verschlossen bleibt. Tja.

Erstaunlich aktuell, temporeich, verspielt und selbstironisch beleuchtet „Tür auf, Tür zu“ die Willkür des Ausgeschlossenseins und die allgemeine Angst vor der sozialen Isolation. Das ganze ist existentiell zum Piepen. Brüllend kafkaesk. Herzhaft hintergründig.

Mit manchmal musikalischen Strukturen, grotesken Zuspitzungen und aberwitzigen Dialogen wirft das Stück Fragen auf nach unserem unbedingten Drang, dabei sein zu wollen und dem unvermeidlich bitter-komischen Scheitern. Wir lachen, hoffen und bangen mit einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs und ihren absurden Erklärungsversuchen. Ihr Schicksal könnte jeden von uns treffen. Schafft sie es womöglich, die Tür zu überlisten?

Mit: Schirin Brendel (Bild links oben), Michael Günther (Bild rechts oben) und Martin König (Bild links unten)
Regie: Benjamin Hille (Bild rechts unten, © Sabine Haymann)

grenzenlos - politisch-satirisches theater in europa

Ziel des Projektes ist, das politisch-satirische Theater, insbesondere das Kabarett-Theater als Medium der Reflexion gesellschaftlicher Veränderungen zu nutzen, den transnationalen Austausch von Kultur im Bereich politisch-satirischen Theaters anzuregen, und damit den kulturellen Dialog zwischen den am Projekt beteiligten Staaten zu fördern. Erfahrungen, die im Produktionsprozess unter einem gemeinsamen Thema und Titel, jedoch mit länderspezifischen Schwerpunkten gewonnen wurden und Problemstellungen, die sich ergeben, sollen im europäischen Rahmen diskutiert werden.

Ausgehend von der Struktur des Projektes sollen lokale, regionale, nationale und internationale Netzwerke gebildet werden, die einen wirklichen sozialen und kulturellen Mehrwert auf europäischer Ebene darstellen.

Bestandteile des Projektes sind die Hausprogramme des Renitenztheaters in Form satirischer Theaterstücke, die autorenarena und die Kabarettwerkstätten für Jugendliche. Mit den Produktionen geht das Renitenztheater auf Gastspielreisen: seit Projektstart nach Polen, Rumänien, Kroatien und Frankreich beziehungsweise empfängt Partnerbühnen in Stuttgart.

autorenarena

Mit der "autorenarena" werden dem interessierten Publikum einer Tradition des literarischen Kabaretts folgend, Theater- und Drehbuchautoren vorgestellt sowie Autoren, deren Prosatexte sich für eine Dramatisierung eignen.

In einer "Inszenierten Lesung" spielen und lesen Schauspieler unter Regie. Sie stehen im Spannungsfeld zwischen Buch und Darstellung. Dies sowie ansatzweise ein Bühnenbild, Kostüm- und Lichtgestaltung geben der "autorenarena" den besonderen Reiz eines "work in progress". Die vierte Probe ist die Aufführung.

Der Autor geht nach der einstündigen Bühnenpräsentation aus seinem Werk und nach einem Gespräch mit dem Moderator, zusammen mit diesem, den Schauspielern und dem Regisseur/Dramaturgen zum Publikum in die Arena.

Die Stuttgarter Zeitung schreibt "Schauspieler lesen und spielen im Imaginationsraum der Literatur" und "... könnte eine echte Alternative zur Autorenlesung sein".

Die autorenarena wurde gefördert durch