Das Renitente Blog

Mittwoch 09. Juni 2010

Literatur gegen Wein?

Schon seit knapp zwei Wochen überlegt sich der komplette Mitarbeiterstab des Renitenztheaters wie man dem Theaterhaus eine Flasche Wein abluchsen könnte. Der erste Plan sah vor, dem Theaterhaus einfach eine zu klauen. Das Problem: Wir wissen nicht, wo die 25 Flaschen gelagert werden. Der zweite Plan sah vor, dem Theaterhaus eine abzukaufen. Das Problem: Wir haben keine Kohle. Der dritte Plan sieht nun vor, dem Theaterhaus ein Tauschgeschäft zu unterbreiten.

Doch was können wir tauschen? Nicht viel, denn wir sind arm. Aber nach langer Suche haben wir doch noch etwas gefunden: Bücher. Eigentlich gehören die Bücher dem Techniker. Da dieser aber zur Zeit nicht da ist, bieten wir dem Theaterhaus folgende Bücher an:

 

1. „365 Wege zum Millionär“: Darin finden sich Tipps wie dieser hier: „Sparen Sie täglich 5 Mark und Sie verfügen monatlich über 150 Mark, die Sie gewinnbringend in guten Aktienfonds einlegen können“ (Tipp 297). Ja, im Buch steht „einlegen“ und nicht „anlegen“. Wenn man das Geld nicht einlegt, braucht  man mit diesem extrem ausgeklügelten Sparplan übrigens 556 Jahre bis man Millionär ist.

 

2. „6000 Jahre Naturkatastrophen“: Vulkane, Erdbeben, Hurrikane, Lawinen, Sintfluten – in diesem Buch steht alles, was man über Naturkatastrophen wissen muss. Gleichzeitig ist es ein Buch, das Hoffnung macht. Das entsprechende Kapitel heißt „Fluten und Deiche: die Niederlande“. Sintflut in Holland? Klingt vielversprechend…

 

3. „Die ungelösten Geheimnisse dieser Welt“: Der Autor Charles Berlitz hat 1976 den Prix International Dag Hammarskjoeld gewonnen. Es kann nur auf eine Verschwörung zurückzuführen sein, dass er noch nicht für den Literaturnobelpreis nominiert wurde… Eine Sache sollten wir uns immer vor Augen halten: „Das Rätsel um das Philadelphia-Experiment  ist noch nicht aufgeklärt, und seine endgültige Antwort mag tief in den Akten des US-Marineministeriums ruhen“ (S. 136). Mysteriös ist auch das nächste Buch:

 

4. „Im Namen Gottes? Der mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I. – Tatsachen und Hintergründe“: Das Buch, das mit seinem „großem Bildteil“ wirbt (circa. 25 Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf 464 Seiten), hat früher 116 österreichische Schilling gekostet. Auch heute ist es dieses Geld noch wert. Es deckt nämlich nicht nur den heimtückischen Mord an Papst Johannes Paul I. auf,  sondern zeigt auch die Verstrickungen des Vatikans in die Geschäfte der internationalen Finanzwelt. Ist der Vatikan an der aktuellen Finanzkrise schuld? Oder doch die brunnenvergiftenden Juden? Dieses Buch gibt die Antwort.

 

5. „Geliebtes Württemberg. 100 Wanderungen durch Württemberg in 100 Bildern aus dem schönen Schwabenkalender“: Allein schon wegen des modrigen Geruchs, ist dieses Buch aus dem Weltmeisterjahr 1974 ein MUSS. Und wer jemals an dem Satz „Früher war alles besser“ gezweifelt hat, der sollte dieses Buch gelesen haben.  Es lässt übrigens keine Zweifel an seiner Qualität zu. Bereits im Vorwort steht: „Jedes Jahr von neuem erhalten wir eine große Anzahl von Briefen, in denen uns viel Lob für die Gestaltung des traditionsreichen Schwabenkalenders gesagt wird.“ Also, liebes Theaterhausteam, wie sieht‘s aus?

P.s. Neben diesen Büchern könnten wir dem Theaterhaus auch drei Flaschen chinesischen Pflaumenwein und eine Flasche chinesischen Rotwein anbieten, die wir als Großabnehmer hin und wieder von unserem Pizzaservice geschenkt bekommen.

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